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Bericht über die Vortragstagung in Teisendorf/Obb.

vom 24. bis 27. Oktober 2008

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Der Eröffnungsvortrag am Freitag war der Forscherin Dr. Elisabeth Neumann-Gundrum (1910-2002), Mitglied des wissenschaftlichen Kuratoriums unserer Gesellschaft, gewidmet und ihrer jahrzehntelangen Erforschung der Kultur der Großskulpturen in aller Welt. Ihr wurde die Sammlung eiszeitlicher Kleinkunstwerke von Universitätsprofessor Walther Mathes an die Seite gestellt. Die beiden in den Großskulpturen vorherrschenden Grundvorstellungen unserer Vorfahren erkannte Dr. Neumann-Gundrum in der wiederkehrenden Darstellung von „Zwiesicht“ (ein Auge offen = sehen und erkennen, ein Auge geschlossen = Blick nach Innen zum Sinn des Seins) und „Atemgeburt“ (Gestalten mit dem Atem erst beleben, im Vergleich zum uns bekannten „Leben aushauchen“).

Der zweite Vortrag noch am gleichen Abend galt dem Bayerischen Wappen und der Himmelskunde Alteuropas. Das blau-weiße Rautenmuster ist schon auf Tierskulpturen der schwäbischen Alb zu sehen, abgeleitet vom Zeichen des Mondes und der von ihm erwarteten Wirkung auf die Fruchtbarkeit, ebenso wie von dem Vulvazeichen der Erd-und Mondmutter.

Der Samstag wurde mit einem Vortrag zu Ehren von Prof. Dr. Herman Wirth eröffnet, dem Begründer der Symbolhistorischen Methode und Gründer unserer Gesellschaft. Durch Wissenschaftsfächer-übergreifende Forschungen der volkskundlichen Überlieferungen in vielen Ländern erkannte er die Symbole (Sinnzeichen) als eine Wiedergabe der geistigen Vorstellungen unserer frühen Vorfahren - lange vor der Entwicklung einer (Buchstaben-) Schrift - als Beweise für eine frühe Hochkultur.

Der „Chiemgau-Impakt“ war Gegenstand des folgenden interessanten Beitrages. Als Ausgräber an mehreren Fundplätzen konnte der Referent zeigen, wie die an verstreuten Stellen des hinteren Chiemgaues entdeckten Reste eines kurz vor dem Einschlag geplatzten Himmelskörpers den Nachweis eines Impaktes vor ca. 5000 Jahren mit verheerenden Folgen für die Landschaft und die Bewohner erbringen. Die kritischen Stimmen verschiedener Seiten wurden inzwischen von Wissenschaftlern mehrerer Universitäten widerlegt.

Mit der bisher unerkannten Kontinuität der „Muse“ im spätantiken Orient beschäftigte sich der nächste Beitrag. Dass der jüdische Gesetzgeber Moses – von den jordanischen Christen schon Muse genannt – angeblich lange vor den antiken Griechen lebte, widerlegen die Jerusalemer Archäologen Finkelstein und Seligmann. Der Referent entwickelte nun die Herkunft des Wortes Moses aus Mousa – Montja = eigentlich „Bergfrau“ usw. Moses empfing den Dekalog auf dem Berg Sinai, und die zentrale Botschaft des Neuen Testaments erging als Bergpredigt. Also Moses aus Mont (Berg) -> Muse… Von Homer werden die Musen nur in der Mehrzahl genannt, daraus wurde auch das Museion, die ihnen geweihte Stätte. Aus ihm wurde wiederum Moschee, die Stätte zur Auslegung heiliger Schriften.

Der Nachmittag wurde mit einem Vortrag über die Römer und ihre Kriegführung eröffnet. Ihr sog. „gerechter Krieg“ (bellum justum) richtete sich jeweils gegen das gesamte bekämpfte Volk, also auch gegen Alte, Frauen und Kinder. Ihre Tötung war grausame Handarbeit, aber Voraussetzung für den Triumphzug des siegreichen Feldherrn, der wiederum die überlebenden Frauen und Mädchen an die Händler verkaufte, um seine Soldaten besolden zu können. So wurden ganze Völker dezimiert oder gar ausgerottet (Gallier, Kelten usw.) und ihre Kultur vernichtet.

Waren Vandalen die Gründer von Bayern und Österreich? Mit diesem Vortrag klärte der Redner die Rolle der Vandalen in der Geschichte. Zwar aus dem o.g. Raum kommend gründeten sie zwei Reiche, in Spanien und in Nordafrika (Karthago). Mit ihrer großen Wanderung kamen die Vandalen auch bis nach Rom, das sie unter König Geiserich 455 „ohne Schwertstreich“ eroberten und – wie damals üblich - plünderten. Jedoch wurde die Stadt nicht verwüstet oder niedergebrannt. Der „Vandalismus“ wurde ihnen erst tausend Jahre später angedichtet. Die Zeitzeugen rühmten jedoch ausdrücklich ihre Tugendhaftigkeit.

Der Abendvortrag befasste sich mit dem „Goldenen Schnitt“. Während die Symmetrie eine Gleichheit (deckungs- oder spiegelgleich) von Linien oder Formen darstellt, beinhaltet der Goldene Schnitt ein bestimmtes Verhältnis von Dimensionen, bei dem sich der kleinere Teil zum größeren so verhält, wie der größere zum Ganzen. Wir Menschen empfinden diese Verhältnisse angewandt bei Bauten oder Kunstwerken als harmonisch und schön. Er entspricht jedoch auch der Harmonie zwischen mehreren Tönen (Schwingungen) oder dem Verhältnis der Planetenabstände, also unserer umgebenden Natur. Von daher…?

Am Sonntag führte uns die Exkursion zuerst in das Bajuwarenmuseum nach Waging am See, das uns unter ausgezeichneter Führung beste Einblicke in die Geschichte Bayerns vermittelte. Danach ging es zum Natur- und Mammutmuseum nach Siegsdorf. Nach einer Mittagspause im Quartier fuhr uns der Bus über das hochgelegene Rossfeld mit herrlicher Aussicht auf Berchtesgaden, Salzburg und zu den Bergen der Eisriesenwelt, bevor wir nach Hallein ins interessante Keltenmuseum kamen. Dieser Tag wurde als eine sehr beeindruckende Exkursion gelobt.

Der Tag klang aus mit einer Lichtbildschau von den Schönheiten des Berchtesgadener Landes und des Salzkammerguts mit Überlieferungen und Brauchtum, untermalt mit rührenden heimatlichen Weisen.

Montag hörte man zuerst einen Vortrag über die „Heilige Acht“, mit überraschenden Details. So wurde die Acht bei unseren Vorfahren nicht nur als heilige Zahl angesehen, wie Wirth ausführte, sondern sie kam bei ihnen überall vor: 8 Feste im Jahr, der Tag hatte 8 Einheiten zu 1 ½ Stunden, die Räder hatten 8 Speichen wie die Abbildungen auf Felsen. In der Sprache hören wir noch heute auf achten, Acht geben, verachten, in Acht und Bann schlagen. Auswanderer brachten diese Acht nach Ägypten und Babylon, Indien und sogar China.

Den Abschluss der Vortragsreihe dieser Tagung bildete das bemerkenswerte Referat über „Die Zeitdimensionen unserer Vorzeit“. Darin kritisierte der Referent die übliche und stets ungeprüfte Übernahme gängiger Zeitbestimmungen, obwohl erhebliche Zweifel und die Auswertung neuer Untersuchungsergebnisse angebracht seien.

Eine Reisegruppe der Teilnehmer fuhr nach Schluss der Tagung nach Hallstatt/Oberösterreich und besuchte dort sowohl das Keltenmuseum als auch die Ausgrabungen an den Salz- und Kupferbergwerken oberhalb des Ortes. Die umfangreichen ca. 2 500 Jahre alten Funde führten zur Prägung des Begriffes einer „Hallstattkultur“ der Frühzeit.

17.5.2009 Sunnihilt Wellmer und Paul Rohkst.