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Symbole und Mythen als ihre Exegese

Vedische Kosmologie

Herman Wirth fand tatsächlich, damals für die Fachwissenschaft schockierend, mit Hilfe seiner symbolhistorischen Methode weltweite Zeugnisse für eine Ur-Geistesgeschichte. Diese erläuterte er an einem Beispiel des kosmischen Eies, das schon von Bachofen ausgiebig herangezogen wurde, wie folgt: „Bachofen kannte die vedische Kosmologie Indiens noch nicht, die bis zur Upanischadzeit noch klar den subarktischen Ursprung dieses sekundären, physioplastischen Symbols aus einer älteren ideoplastischen, ideographischen Urform erkennen läßt. In Chändogya-Upanischad III, 19, 1-3 heißt es von diesem Weltenei:

Diese Welt war zu Anfang nichtseiend; dieses (Nichtseiende) war das Seiende. Dasselbe entstand. Da entwickelte sich ein Ei. Das lag da so lang wie ein Jahr ist. Darauf spaltete es sich: die beiden Eierschalen waren die eine von Silber, die andere von Gold. Die silberne ist die Erde, die goldene der Himmel dort. – Was dabei geboren wurde, das ist die Sonne. (Deussen). Oder – wie es in Rigveda X, 121, 9 und 129, 3 heißt: der Goldene Keim (hiranya-garbha), das Lebenskräftige, das in der Schale eingeschlossen war ... In der orphischen Mysteriensymbolik ... geht auch aus der Urnacht das Weltenei hervor, aus dem der kosmogenische Eros geboren wird.

Altägyptische Überlieferung

Die beiden Schalen des Eis werden ebenfalls zu Himmel und Erde, Uranos und Gaia. Ganz wie nach altägyptischer Überlieferung Ra (Re)‚ in seinem Ei als seiner Lichtwohnung erstrahlt, oder Schöpfer des Eis, das aus dem Chaos hervor ging genannt wird. Das Ei, das da lag wie ein Jahr, das sich spaltete und dessen beide Schalen hell und dunkel waren und zu Himmel und Erde wurden, wobei die Sonne geboren wurde, ist ein typisches Beispiel zu meinem Satz, daß die Mythe die Exegese (bildhafte Erklärung. d.Verf.) des Symbols ist.

Die Überlieferung von Rigveda bis Upanischad hat jenes Jahr-Symbol einer ehemaligen subarktischen Urheimat klar bewahrt. Es ist jenes Diagramm, wie wir es aus den jungsteinzeitlichen und späteren Felsbildern des zirkumpolaren Kulturkreises (Nordeurasien-Nordamerika) kennen: der Gesichtskreis, der in der Senkrechten geteilt ist = Sonne in Winterstillstand (= Süden) – Sonne in Sommerstillstand (= Norden). Das sind die beiden Gänge der Sonne in den beiden Jahreshälften, Jahreszeiten des subarktischen Kreises. (8)

Quellen:8) HW. „Die Symbolhistorische Methode“ in Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft, Münster (2/1955) S. 128-129